II. Weltkrieg

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Ammersee- und Pfaffenwinkelbahn auch unter: www.werdenfelsbahn.de erreichbar

Eine Bahnstrecke mit viel Potential an Fahrgästen; Attraktionen und Sehenswürdigkeiten

Durch das unnötige Zerstören und Morden während des II. Weltkrieges blieben auch die Ammersee- und Allgäu-Bahn nicht verschont. Für die Nazis war die Allgäubahn eine Wichtige Strecke zum Transport von Zwangsarbeitern aus Dachau nach Kaufering. Am 18. Juli 1944 begann der Transport von ca. 20 - 30.000 Juden nach Kaufering für den Bau der Rüstungsprojekte "Walnuß II"; "Diana II" und das heute noch erhaltene, von der Bundeswehr genutzte Bauwerk "Weingut II". Das ganze lief unter den Namen: "Ringeltaube". Die Strecke von Dachau nach Kaufering wurde damals auch als "Blutbahn" bezeichnet. Einen Teil der Strecke und zwar von Dachau nach Roggenstein (ehemaliger Haltepunkt zwischen Fürstenfeldbruck und Eichenau) existiert heute nicht mehr, jedoch einige Spuren sind noch zu sehen.

Da der Bahnhof Geltendorf ein Knotenbahnhof ist, aber kein strategisch wichtiger Punkt für die alliierten Streitkräfte gewesen ist, wurde er nicht Zerstört. Es fielen zwar mehrere Bomben im Bereich der Ammerseebahn, doch man vermutet, daß es nur Notabwürfe der alliierten Bomber waren, die nach einem Bombenabwurf auf München in die sichere Schweiz zurückgeflogen sind und die nicht abgeladenen Bomben im Bereich der Ammerseebahn abgeworfen haben um Treibstoff zu sparen. Hier und da wurde ein Güterzug bombardiert. Eine unnütze Zerstörung erfuhr der Bahnhof Weilheim in den letzten Kriegsmonaten, wo er einem zweistündigen Bombenangriff ausgesetzt war, dabei wurde vieles Sinnlos zerstört, unter anderem auch ein Lazarettzug mit ungarischen Kriegsgefangenen.

Da der Eisenbahnbereich Geltendorf - München - Augsburg ein strategisch wichtige Lage darstellt, kam Augsburg in den Genuss zu einer eigenen Reichsbahndirektion.

Die Ammerseebahn diente dabei nur als kleine Nebenbahn zum Transport von Betonteilen aus dem Betonwerk "Dyckerhoff&Widmann" in Utting zum Rüstungsprojekt "Ringeltaube". Auch auf der Ammerseebahn wurden vermutlich Zwangsarbeiter in Güterwaggons nach Utting gefahren (ca. 500 Gefangene).

Personal:
Im Jahre 1933, als die Nazis die Macht in Deutschland übernahmen, merkte man dies auch am Bahnhof und der Bahnmeisterei Geltendorf. Alle Angestellten und Beamten mußten unter Zwang in die Partei eintreten. Wer der Partei nicht beigetreten ist, wurde in seiner Beförderung behindert bzw., er wurde nur für minderwertige Arbeiten eingesetzt.
Mein Großvater bekam dies sehr hart zu spüren, da er als junger Mensch mit seiner neugegründeten Familie mit dem ganzen nichts zu tun haben wollte. Als der Druck zum Eintritt in die Partei immer stärker wurde, von Seiten der Direktion aus Augsburg und den Vorgesetzten die ihm sogar mit dem Konzentrationslager in Dachau drohten, gab er nach und trat unter Zwang in die Partei ein. Aber aktiv in der Partei wurde er nicht und mogelte sich so durch die Jahre bis 1945 hindurch (Beamter wurde er erst nach dem Krieg, als die Entnazifizierung abgeschlossen war).

Brutale Greueltat:
Als am 27. April 1945 ein Munitionstransport auf der Strecke zwischen Kaufering und Geltendorf in Höhe Schwabhausen stand, wurde er von einem britischen oder amerikanischen Aufklärungsflugzeug entdeckt. Der Begleitschutz merkte dies und ließ einen mit KZ-Häftlingen besetzten Zug parallel zum Munitionszug auffahren. Als die Jagdflugzeuge kamen, gab es ein fürchterliches Gemetzel, wobei an die 140 bis 200 (es gibt keine genauen Angaben) jüdische Bürger ihr Leben lassen mußten (Heute erinnert ein jüdischer Friedhof neben der Bahnlinie bei Schwabhausen (Landsberg) an das sinnlose Gemetzel).
Beim Bahnhof Geltendorf gab es noch das Gleis im Waldstück "Streichenlaich", daß bis 1907 ein Teilstück der Ammerseebahn war, bis die Strecke neu Konzipiert wurde zu einer kreuzungsfreien Einfahrt in den Bahnhof Geltendorf. In diesem Gleisstück wurden im II. Weltkrieg strategisch wichtige Züge versteckt.
Weitere 17 Russen aus dem Deutschen Heer kamen nahe Eresing durch die Tiefflieger um. In dieser harten Zeit mußten die Beamten und Angestellten der Bahnmeisterei Geltendorf natürlich wieder für den reibungslosen Verkehr auf der Schiene sorgen. Das dies nicht immer einfach war für die Arbeiter, kann man sich heute kaum mehr vorstellen.

Brandschutz und Luftschutz:
Am Bahnhof Geltendorf gab es ein kleines Feuerwehrhaus mit einer Handspritze, die für die Brände am Bahnhof eingesetzt wurde. Zwischen dem Bahnhof und den zwei Dienstwohnungen der Bahnangestellten, wurde ein unterirdischer Gang zu den Luftschutzräumen angelegt. In den Dienstwohnungen befand sich jeweils im Keller ein Luftschutzraum für die Familien- sowie Bahnhofsangehörige und Fahrgäste. Der äußere Zugang für das Bahnhofspersonal zu dieser Luftschutzeinrichtung ist heute noch am Bahnhof Geltendorf, zwischen Bahnhofsgebäude und dem ersten großen Dienstgebäude zu sehen.

(Bild oben: Bunkereingang am Bahnhof zu den Luftschutzräumen unter den beiden Eisenbahnerwohnhäuser am Bahnhof Geltendorf)

Da sich im Osten und Westen des Bahnhofes noch zwei große Stellwerke befanden, wurde für das Stellwerkspersonal ein eigener Luftschutzraum, der sich unter dem Prellbock des jeweiligen Abstellgleises am Stellwerk befand, geschaffen.

Kuriose Vorfälle:
Als sich ein Güterzug in den Kriegsjahren spät Abends von Weilheim nach Geltendorf auf der Ammerseebahn befand, mußte immer mit Tarnbeleuchtung gefahren werden. Ich vermute, es mußte auch so schnell wie möglich die Strecke bewältigt werden. Als man jedoch in Geltendorf ankam, merkte man, daß sich die letzten Waggons abgerissen hatten. So machte man sich am nächsten Tag auf die Suche und fand sie zwischen Schondorf und Utting. Da die Waggons auf der Höhe St. Ottilien sich vom Zug gelöst hatten, liefen sie ca. 5 - 6 Kilometer zurück, da es bei der Ammerseebahn zwischen Geltendorf und Weilheim immer bergab geht.

Kriegsende:
Im April 1945 nahm der Spuk dann ein Ende. Zuerst kamen die Amerikaner aus Westen, die über die Eisenbahnbrücke in Kaufering (Allgäubahn) übersetzten und wieder einigermaßen Ordnung in die chaotische Zeit brachten. Die Amerikaner bauten die Verwaltungen wieder auf, Eisenbahnangestellte und Beamte wurden soweit entnazifiziert (Persilschein) und verrichteten dann wieder Ihre Arbeit. Im Kloster St. Ottilien wurde ein Displace Person (DP-Lager) eingerichtet für ehemalige KZ-Häftlinge, dabei spielte der Bahnhof St. Ottilien wieder eine wichtige Rolle in der Zusammenführung von auseinandergerissenen Familien. Als das Hospital 1948 aufgelöst wurde, verzeichnet das Gräberbuch 76 Beerdigungen für den Judenfriedhof. Angehörige ließen später einige Grabsteine errichten, die heute noch von Nachfahren besucht werden.
Nach den Amerikanern folgten die Franzosen und hausten in der Gegend um die Ammerseebahn wie die Barbaren. Sie plünderten, vergewaltigten Frauen und töteten Tiere, ja ganze Stallungen wurden Leer geräumt und niedergemetzelt aus purer Lust am töten, oder das die Bevölkerung nichts mehr zum Essen hatte?
In der Nachkriegszeit kamen dann die sogenannten "Hamsterzüge" aus den Großstädten, besonders aus Augsburg an den Ammersee und den umliegenden Ortschaften. Anfang der fünfziger Jahre ging es wieder friedlich auf der Ammerseebahn zu. Es fuhren wieder die vollbesetzten Badezüge aus Augsburg an den Ammersee.

 

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